Düsseldorfer Persönlichkeiten von A bis Z

„R“ wie Luise Rainer


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1910, 1935, 1936, 1937, 2010, 2011 – was diese Jahre miteinander gemeinsam haben? Sie alle sind wichtige Meilensteine im Leben von Luise Rainer, 1910 in Düsseldorf geboren, 1935 nach Hollywood gegangen und 2010 hundert Jahre alt geworden.

Obwohl es so aussieht, läuft in Luises Leben nicht alles nach Plan. Nach einem Studium an der „Hochschule für Bühnenkunst“, die dem Schauspielhaus Düsseldorf angeschlossen ist, ist sie zunächst einige Jahre aktive Theaterschauspielerin. Am Wiener Theater in der Josefstadt wird sie 1935 von Louis B. Mayer entdeckt und für Hollywood unter Vertrag genommen. Noch im gleichen Jahr dreht sie ihren ersten Film „Escapade“.

Berühmt aber wurde sie für das aufwendig produzierte Musical „Der große Ziegfeld“ im Jahre 1936, wo sie die betrogene und schließlich verlassene Ehefrau Anna Held spielt. Es ist nur eine Szene, für die sie als erste deutsche Frau einen Oscar gewinnt: Am Telefon gratuliert sie ihrem frisch von ihr geschiedenen Mann zur zweiten Hochzeit – wobei sie ganz verhalten die Tränen hinter einem Lachen versteckt. Neben dem begehrten Goldjungen bringt ihr diese Szene den Spitznamen „the Vienesse Teardrop“ ein, obwohl Rainer gar nicht aus Österreich kommt, sondern nur dort entdeckt wird.

Ein Jahr später spielt sie in dem Film „Die gute Erde“ eine Asiatin, eine Rolle mit nur wenig Text, dafür aber mit viel Mimik und Gestik. Zur Überraschung aller erhält sie auch für diese Rolle einen Oscar; es ist das erste Mal, dass eine Frau zwei Jahre in Folge die Trophäe erhält.

Danach folgen Rollenangebote, die Luise sich nie gewünscht hat; anspruchslos, schlüpfrig oder ganz ohne Tiefe. Gleichzeitig geht auch ihre Ehe mit dem bekennenden Kommunisten Clifford Odets in die Brüche. Luise ist an einem Tiefpunkt angelangt und kann nicht anders, als ihren Vertrag nach vier Jahren zu kündigen und unter wütendem Gebrüll ihres Managers nach London zu flüchten. Dort folgen einige kleine Theaterrollen, manchmal auch Auftritte im Fernsehen, auch ins Kino kehrt sie 2003 noch einmal zurück. Aber die erfolgreiche Karriere ist so plötzlich vorbei, wie sie angefangen hat.

Privat erlebt sie jedoch einen neuen Höhepunkt: Sie heiratet in zweiter Ehe den Verleger Robert Knittel und bekommt mit ihm eine Tochter. Sie bleiben in London, leben zusammen in einer Wohnung im beliebten Stadtteil Eaton Square, bis ihr Ehemann 1989 schließlich stirbt. Luise Rainer zieht noch mal um, diesmal ins feine Viertel Belgravia; dort erlebt sie im Januar 2010 ihren 100. Geburtstag im Kreis der Familie.

2011 folgt ihr vorerst letzter Besuch in Deutschland: Zur Verleihung ihres Sterns auf dem „Boulevard der Stars“ in Berlin reist sie persönlich an und lässt sich vom Bürgermeister Klaus Wowereit beim Durchschneiden des „Goldenen Bandes“ helfen. Deutsch spricht sie aber immer noch: „Ich liebe die Deutschen und ganz besonders das Rheinland“, sagt sie 2008 in einem Interview. Na, wenn das keine echte Düsseldorfer Persönlichkeit ist!