Düsseldorfer Persönlichkeiten von A bis Z

„K“ wie Wilhelm Heinrich Kreis

Wer sich für Kunst und Kultur interessiert, kommt nicht an ihm vorbei. Jeder Besuch im Museum Kunstpalast oder in der Tonhalle ist nur deshalb möglich, weil er seinerzeit die Baupläne entworfen hat – übrigens nach dem Vorbild der römischen Monumentalarchitektur: Wilhelm Heinrich Kreis, Architekt und Hochschullehrer aus Eltville am Rhein.

Eigentlich soll er Landmesser werden, ganz nach dem Vorbild seines Vaters. Als er das vehement ablehnt, steht der Vorschlag im Raum, doch einfach den Beruf des Winzers auszuüben – schließlich entstammt er einer Familie, die seit Generationen Weinanbau betreibt. Aber auch diesen Vorschlag lehnt er ab. Spätestens, als Wilhelm 1894 mit Entwürfen für das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig an seinem ersten Wettbewerb teilnimmt und dort den ersten Platz belegt, weiß aber jeder, dass die Architektur sein wahres Steckenpferd ist.

Den Hang zum Monumentalen verdankt er seinem Lehrer Professor Thiersch von der Technischen Hochschule Thiersch, an der er seine Ausbildung zum Architekten beginnt. Nach dem Vordiplom wechselt er mehrfach die Universitäten, legt schließlich sein Staatsexamen 1897 an der Technischen Hochschule Braunschweig ab.
In Braunschweig lernt er auch seine spätere Frau Hedwig Hähn kennen. Die gemischt-konfessionelle Ehe mit der Protestantin sorgt bei der erzkatholischen Familie Kreis für Empörung. Der größte Teil seiner Verwandtschaft, allen voran seine Eltern, bricht mit ihm, sodass Wilhelm schnell eine engere Beziehung zur Familie seiner Frau aufbaut. Da die Ehe mit Hedwig kinderlos bleibt, ernennt er seinen Neffen Helmut Arntz zum Erben, der allerdings einen völlig anderen Weg einschlägt und Germanist wird.

Die meiste Zeit seines Lebens verbringt er in Dresden; 1908 führt ihn jedoch eine Berufung als Direktor der Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf. Während dieser Zeit liefert er einige Pläne zum Bau bzw. Umbau von wichtigen Gebäuden der Stadt – zum Beispiel das Wohnhaus für den Maler Walter Petersen an der Lindemannstraße 42, das sich ganz in der Nähe von le flair befindet und heute unter Denkmalschutz steht. Außerdem entwickelt sich unter seiner Hand der Ehrenhof, ein expressionistisches Gebäudeensemble bestehend aus der Tonhalle, des NRW-Forums und des Museum Kunstpalastes. Anlass hierfür ist die 1926 stattfindende GeSoLei, die „Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“, die mit 7,5 Millionen Besuchern zu dieser Zeit die größte Messe der Weimarer Republik ist. Die Rückseiten der einzelnen Bauten sind wesentlich aufwändiger gestaltet als die Innenseiten zum Hof hin – das ist Wilhelms Art zu zeigen, dass auch der Rhein seine „schönen Seiten“ hat.
Die streng symmetrische Anordnung des Gebäudekomplexes ist seit kurzem ansatzweise zu erkennen, da die umliegende Gartengestaltung nun wieder nach dem Schema eines Barockgartens erfolgt.

Bis zu seinem Tode 1955 erhält Wilhelm weiterhin Aufträge, entwirft unter Anderem die Zentralbank in Dortmund und das (im Nachhinein dann doch nicht gebaute) Gesundheitsmuseum in Köln.