Düsseldorfer Persönlichkeiten von A bis Z

„I“ wie Jörg Immendorff

Skulptur Joseph Beuys mit Affe, von Jörg Immendorff, Author Kürschner

Es gibt sie immer im Doppelpack: Den Lehrer und den Schüler. Den Lehrer kennen Sie bereits – es ist kein geringerer als Joseph Beuys. Jetzt lernen Sie einen seiner Schüler kennen, der in den 80er Jahren zu einem der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart wurde. Sein Name? Jörg Immendorff. Kennen Sie nicht? Kennen Sie doch!

Jeder, der schon mal am Graf-Adolf-Platz 15 (in der Nähe der Königsallee) gewesen ist, kennt die Figur „Affenplastik“. Zu sehen ist ein Mann, der einen kleinen Affen an der Hand hält. Es sieht aus, als würde er den Affen spazieren führen.

Das ist eines der vielen Werke von Jörg Immendorf, der 1963 nach Düsseldorf kommt, um hier Bühnenbild bei Teo Otto zu studieren. Schon nach kurzer Zeit findet er heraus, dass Bühnenbild nicht das einzige Thema der Kunst ist, das ihn reizt, deshalb schreibt er sich für einen Studiengang mit dem schlichten Namen „Kunst“ ein. Sein Lehrer: Joseph Beuys.

Er inspiriert Immendorff dazu, sich nicht dem allgemeinen Trend der gegenstandslosen Kunst anzuschließen, sondern ermuntert ihn immer wieder, sich auch politischen Themen zu widmen. So wird aus Jörg Immendorff jemand, der schon früh Bilder mit gesellschaftskritischem Inhalt malt. Außerdem ist er immer wieder politisch aktiv: So sorgt er 1968 für großes Aufsehen, als er sich einen schwarz-rot-goldenen Klotz ans Bein bindet und damit protestierend vor dem Bundestag auf- und abschreitet. Vermutlich sind diese Aktionen der Grund, warum er nur ein Jahr später der Kunstakademie verwiesen wird. Trotzdem bleibt er politisch aktiv, engagiert sich in der Außerparlamentarischen Opposition und bleibt weiterhin aktiv in dem von ihm und Chris Reinecke gegründeten Aktionsprojekt „LIDL“. „LIDL“ kennzeichnet sich durch aufmerksamkeitserregende Kunstaktionen, deren Ziel es ist, das Verhältnis von Bildmacht der Sprache und Sprachhaftigkeit von Bildern zu hinterfragen.

Später entdeckt Immendorff die plastischen Künste für sich. Neben einem Porträt von Gerhard Schröder für die Kanzlergalerie im Bundesamt schafft er eine Skulptur mit dem Namen „Hyde Park Corner“ für den Skulpturenpark Köln.

1996 kehrt er an die Kunstakademie zurück – nicht als Schüler, sondern als Professor für Bildende Künste. In dieser Zeit fängt er mit der „Affenplastik“ an, erklärt aber erst viel später, was sie darstellt. Es ist Beuys – mit seinem Schüler Immendorff an der Hand.

Immendorff stirbt 2007 im Alter von 61 Jahren an einem Herzstillstand als Folge der Krankheit ALS (einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems). 2010 erschien eine Biografie, geschrieben von Hans Peter Riegel, einem langjährigen Vertrauten Immendorffs. Seine Werke sind im Rahmen einer Dauerausstellung in der Kunstakademie Düsseldorf zu sehen.