Düsseldorfer Persönlichkeiten von A bis Z

„F“ wie Georg Heinrich Theodor Fliedner


Krankenpflege und Diakonie sind für uns heute selbstverständlich. Bis 1836 war es das jedoch nicht – Erst, als der junge Pfarrer Georg Heinrich Theodor Fliedner 1822 von seinem Geburtsort Eppstein nach Kaiserswerth zieht, rückt der Gedanke einer Hilfs- und Pflegeeinrichtung unter kirchlichem Rahmen für den Raum Düsseldorf näher.

Theodor Fliedner wird als Sohn des Pfarrers Jakob Ludwig Christoph Fliedner und dessen Frau Henriette geboren. Wie auch seine neun Geschwister besucht Theodor das Gymnasium in Idstein. Das Interesse für den Beruf seines Vaters kommt schon im Kindesalter auf; so ist es kein Wunder, dass er 1817 ein Theologiestudium in Gießen beginnt, welches er 1819 in Göttingen abschließt.

1822 wird Theodor Fliedner eine Pfarrstelle in Kaiserswerth angeboten – damals noch ein kleines, eigenständiges Städtchen voller Armut. Die meisten Gemeindemitglieder arbeiten in einer Textilfabrik, die jedoch Bankrott geht. Als die Not der Menschen immer größer zu werden droht, spendet Theodor eigenmächtig das Geld der Gemeinde an die Familien, die durch die Pleite der Fabrik teilweise nicht mal mehr ein Dach über dem Kopf haben. Diese ungeplanten Ausgaben sorgen dafür, dass er bald keine andere Wahl hat, als auf die damals übliche Kollektenreise zu gehen. Diese führt ihn auch nach Holland und England. Auf seiner Reise lernt Theodor vor allem mehr über das bürgerliche und kirchliche soziale Engagement.

Mit dem Geld, das er auf der Reise entgegen nimmt, sichert er die weitere Existenz der Kaiserswerther Gemeinde. Sein Erfolg inspiriert ihn dazu, noch mehr zu tun: 1826 gründet er die Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft, die das Gefängniswesen in den westlichen preußischen Provinzen verbessern und zur Rehabilitation der Gefangenen beitragen soll. Dabei lernt er auch Friederike Münster kennen, die in einer „Rettungsanstalt für verwaiste und verwahrloste Kinder“ tätig ist. Das Paar heiratet im Jahr 1828 und hat insgesamt elf Kinder.

Acht Jahre später ist auch die Gefängnisgesellschaft für Theodor nicht mehr genug. Gemeinsam mit seiner Frau gründet er 1836 die „Pflegerinnen- oder Diakonissenanstalt“ am Kaiserswerther Markt. Mit dem Ziel, die Krankenpflege in Kaiserswerth auf eine ganzheitliche, professionelle Betreuung der Kranken auszurichten, werden hier fortan Pflegerinnen (oder auch Diakonissen) ausgebildet, die im Dienst der Kirche den Kranken helfen. Das diakonische Werk findet Anklang und expandiert schnell, sodass Theodor 1844 die „Pastoralgehülfen- und Diakonieanstalt“ in Düsseldorf gründet und außerdem Standorte in England, den USA und Jerusalem errichten kann. Nur fünf Jahre später gibt er sein Pfarramt auf, um sich bis zu seinem Tod 1864 ganz seinem Lebenswerk widmen zu können.