Düsseldorfer Persönlichkeiten von A bis Z

C… wie Campino

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1975, Humboldt-Gymnasium Düsseldorf: Die 6. Klasse ist mal wieder außer Rand und Band, die Schüler bewerfen sich mit bunten Campino-Bonbons. Herausstechender Unruhestifter: Andreas Frege, den seine Klassenkameraden von da an nur noch „Campino“ nennen.

Dieser Campino wächst zweisprachig mit Deutsch und Englisch auf. Das verdankt er seiner Mutter, einer gebürtigen Engländerin. Er wird schon in frühen Jahren auf den Punkrock in England aufmerksam. Das verdankt er wiederum seinem zwölf Jahre älteren Bruder John. Auf dem Weg zum Abitur muss er gleich zwei Mal die Klasse wiederholen. Das verdankt er vermutlich sich selbst.

Wir verdanken Campino und seinen musikalischen Wegbegleitern die Einleitung für die anstehende Geburtsstunde des deutschen Punks. Und diese findet in Deutschland nirgendwo schärfer, frischer und lauter statt, als im Ratinger Hof in Düsseldorf. Hier treffen ab Mitte der 70er Jahre die neuen Pop-Ästheten auf die neuen Kunst-Ästheten der 300 Meter entfernten Düsseldorfer Kunstakademie. In der Kultdisco wird unterrichtet, getrunken, es werden Konzerte gegeben und Bands gegründet. Zum Beispiel von Campino alias Andreas Frege, der gemeinsam mit Schul- und Musikfreunden 1982 „Die Toten Hosen“ aus der Taufe hebt.

Ein Jahr später besteht Campino das Abitur, wird nach acht Monaten Bundeswehr als Kriegsdienstverweigerer anerkannt und startet als Frontmann und Sänger der „Toten Hosen“ eine einzigartige Karriere. Die Bilanz bis heute: 18x Gold, 16x Platin und 38 Singles seit 1988 in den Top 50 Charts.

Campino ist außerdem nicht nur gern gesehener Gast in zahlreichen Talkshows, sondern tritt hin und wieder auch selbst als Journalist auf die „andere Seite“. So interviewt der Punk-Pionier für den Spiegel 1994 die ehemalige Jugendministerin Angela Merkel und Beatles-Legende Paul McCartney. Selbst als Schauspieler versucht er sich, macht allerdings bis heute den besten Eindruck auf der Bühne. Dort wird er von den Fans für seine kehlige Stimme und seinen extremen körperlichen Einsatz gefeiert.

Wie es sich für einen echten Punk gehört, bezieht Campino sowohl in seinen Songtexten als auch mit seinem öffentlichen Engagement klar Stellung gegen Rechtsextremismus und betreut z.B. das Jugendprojekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Andreas Frege ist seinen Düsseldorfer Wurzeln übrigens immer treu geblieben. Ob als Ehrenmitglied der Fortuna, Sponsor der DEG, Initiator der Düsseldorfer Weihnachtskonzerte oder Vorabbucher einer Grabgemeinschaft für 17 Personen auf dem Düsseldorfer Süd-Friedhof – Campino ist eine waschechte Düsseldorfer Persönlichkeit.